Diskussionspapier: Weiterer Ausbau der Windenergie in der Gemeinde Krummhörn

Die Gemeinde Krummhörn war in der Vergangenheit führend was den Ausbau der Windenergie angeht. Hier wurden die neuen Windkraftanlagen von ENERCON ausprobiert und getestet. Angefangen hat es mit der ersten E 32 im Oktober 1988, es folgte der erste Windpark mit zehn E 32 Anlagen am Pilsumer Deich in 1989, der erste Windpark mit achtzehn E 40 Anlagen 1993 / 94 in Groothusen und 94 / 95 Petjenburg mit fünfzehn E 40 Anlagen. Das Repowering dieser Windparks wurde in 2005 bzw. 2009 mit E 70 Windkraftanlagen durchgeführt mit einer vom Rat beschlossenen und im Flächennutzungsplan festgeschriebenen maximalen Höhe von 100m. ENERCON ist ein wichtiger Arbeitgeber auch in unserer Gemeinde; vom Windkraftanlagen Überwachungszentrum Groteland werden über 300 Mitarbeiter eingesetzt.
Jetzt liegt seit dem 14.Mai 2014 die Potenzialstudie von Thalen Consult vor.

Sie hat die möglichen Potenzialflächen für weitere Windenergie mit 700m Abstand zu Dörfern bzw. 1.000m Abstand zu Wohnsiedlungen ausgewiesen und  zwar weitere 163ha, die sich in fünf Flächen aufteilen:

  • Elisenfeld/ Uttumer Wolder  88ha
  • Dammhauser Weg 19ha
  • Kuusder Weg 13ha
  • Swienlandsweg 16ha
  • Uplewarder Grenzweg 27ha

Dabei ist es fraglich ob die vier letztgenannten Flächen überhaupt für Windparks infrage kommen, der Deutsche Wetterdienst mit seinen Radaranlagen an der Knock beansprucht seit 2011 einen 15km Radius, in dem keine großen / hohen Windkraftanlagen gebaut werden dürfen.
Zum anderen sind die Bürger und Ratsmitglieder irritiert über die Pläne zum Ausbau der Windenergie in der Nachbargemeinde Hinte, dort sollen 15 Windkraftanlagen des Typs E 82/92 mit einer Nabenhöhe von 137m entsprechend einer Gesamthöhe von ca. 180m errichtet werden, teilweise nur 500m von Wohnhäusern entfernt (Canhusen).

Einen Flächennutzungsplan für Windenergie gibt es dort nicht, stattdessen sollen die Anlagen als Einzelanlagen genehmigt werden. Zwei private Investoren sollen eine Beteiligung von 51% erhalten, die Gemeinde Hinte 24,5% und der Landkreis Aurich ebenfalls 24,5%.

Sehr fragwürdig ist, dass der Landkreis Aurich gleichzeitig die zuständige Genehmigungsbehörde ist. Gegen diese Pläne gibt es verständlicherweise großen Widerstand in der Bevölkerung, die sich teilweise in Bürgerinitiativen zusammengeschlossen hat.
Ein mahnendes Beispiel ist ebenfalls die Realisierung des Windparks Arle, wo sich große Teile der Bevölkerung „überfahren“ und jetzt stark benachteiligt fühlen.

Generell unterstützen wir GRÜNE den Ausbau der Erneuerbaren Energien und in unserer Gemeinde auch den weiteren Ausbau der Windenergie.

Im Hinblick auf den Klimaschutz und den Klimawandel sollten fossile Energieträger stark zurückgefahren werden und der Bau von neuen Kohle- bzw. Braunkohlekraftwerken erst gar nicht genehmigt werden, siehe RWE Eemshaven als Negativ-Beispiel.

Vor diesem Hintergrund begrüßen wir GRÜNE die vorsichtige Ausweisung von weiteren Potenzialflächen in der Krummhörn, die eben die Belange der Anwohner stark berücksichtigt. Wir möchten auch wie in der Vergangenheit an einer Höhenbegrenzung von 100m festhalten, d.h. wir stimmen nur einen weiterem Ausbau unter dieser Prämisse zu, im Klartext nur Windkraftanlagen mit einer maximalen Höhe von 100m sollen erlaubt sein. Alles andere würden nach unserer Einschätzung die Einwohner und meisten Ratsmitglieder auch nicht mitmachen.

Das Gemeinwohl der Krummhörner Bürger muss im Vordergrund stehen, dazu zählt auch die Vereinbarkeit der neuen Windparks mit dem Tourismus und unserer Landschaft.

Die Beteiligung der Bürger an den Windparks war in der Vergangenheit nicht ausreichend. Wir schlagen deshalb folgendes Modell vor: 51% für die Betreiber,24,5% für die Gemeinde und
24,5% für private Bürger, die sich mit Beträgen von 5.000 €, 10.000€ und maximal 20.000€ pro Person beteiligen können. Auch dies wird die Akzeptanz von neuen Windparks erhöhen.
Wir schlagen vor, den bestehende Flächennutzungsplan mit den jetzt von Thalen Consult ausgewiesenen Sonderbauflächen für Windkraft zu erweitern und die 100 m Höhen-Beschränkung beizubehalten, so könnten auch die ausgewiesenen Flächen, die im Radius von 5 – 15km von der Wetterstation Knock entfernt sind, genutzt werden.

Autor: Johann Smid, Fraktionsvorsitzender

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